BEM – Betriebliche Eingliederung im Kontext psychischer Störungen

BEM – Betriebliches Eingliederungsmanagement bei psychischen Störungen.

Betriebliche Wiedereingliederung im Kontext von psychischen Störungen.

Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Thorsten Blaufelder unterstützen wir Unternehmen im Bereich der Betrieblichen Wiedereingliederung im Kontext von psychischen Störungen.

Denn Sie wissen nicht, was sie tun sollen...

Mit dem korrekten Ablauf des "Betriebliches Eingliederungsmanagement" sollte sich jeder, der im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements aktiv ist, schon einmal beschäftigt haben. Für Fälle wie einem Unfall, einem Bandscheibenvorfall oder einem neuen Knie gibt es bereits viele gute und erprobte Prozesse.


Im Kontext von psychischen Störungen wie z.B. einem Burnout, Depressionen oder auch Angststörungen gibt es allerdings noch viel Unsicherheiten auf beiden Seiten: Wie spreche ich das Thema bei meiner/m Mitarbeiter:in an? Kann ich als Mitarbeiter:in die Wahrheit sagen oder stehe ich dann sofort auf der Abschussliste? Gelte ich mit einer Diagnose gleich als irre?



Psychische Störungen kann man von außen nicht sehen und in der Gesellschaft herrscht größtenteils noch immer großes Unwissen über die Entstehung von Störungen, deren Symptome und vor allem über deren Therapie. Werden Menschen nicht erfolgreich behandelt, droht im schlimmsten Falle ein Rückfall.

Thorsten Blaufelder

Thorsten Blaufelder

Geboren 1975, selbständig seit 2010


Thorsten Blaufelder ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und berät Arbeitgeber:innen, Betriebs-/Personalräte sowie Schwerbehindertenvertretungen im kollektiven Arbeitsrecht. Darüber hinaus vermittelt er als Wirtschaftsmediator und Business Coach bei innerbetrieblichen Konflikten im Arbeitsalltag. 

Er ist außerdem als zertifizierter Arbeitsfähigkeitscoach® und als Experte im Bereich des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) im Kontext von psychischen Störungen tätig.

 

Seine Mission ist es, in einer immer komplexer werdenden Welt einen Beitrag zu einer gesunden Arbeitskultur zu leisten.

Inhalte & Ziele des BEM

Ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (kurz: BEM) muss der Arbeitgeber für Mitarbeitende anbieten, die über einen längeren Zeitraum arbeitsunfähig erkrankt sind. Beim BEM handelt es sich nicht um ein einmaliges Gespräch, sondern um ein ergebnisoffenes Verfahren. Dessen Ziel ist es, Arbeitsunfähigkeit zu überwinden, erneuter Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen und den Arbeitsplatz bzw. das Arbeitsverhältnis des betroffenen Beschäftigten zu erhalten.


Warum ist das Thema so wichtig?

Das Thema BEM ist aus mehreren Gründen wichtig:

  • Gesundheit der Mitarbeitenden:
    Das Wohlergehen und die Gesundheit der Mitarbeitenden stehen im Mittelpunkt des BEM. Es zielt darauf ab, die Arbeitsunfähigkeit von Beschäftigten zu überwinden und präventiv gegen zukünftige Erkrankungen vorzugehen. Dadurch wird nicht nur die individuelle Lebensqualität der Mitarbeitenden verbessert, sondern auch deren Arbeitsfähigkeit langfristig erhalten.
  • Gesetzliche Verpflichtung:
    Wie in § 167 Abs. 2 SGB IX festgelegt, sind Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, ein BEM durchzuführen, sobald Mitarbeitende innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig ist. Die Nichteinhaltung dieser Vorschrift kann rechtliche Konsequenzen für den Arbeitgeber nach sich ziehen.
  • Prävention und Kostenersparnis:
    Durch ein frühzeitig eingeleitetes BEM können langwierige Krankheitsverläufe vermieden oder verkürzt werden. Dies trägt nicht nur zur Gesundheit der Mitarbeitenden bei, sondern kann auch erhebliche Kosten für Unternehmen und Dienststellen reduzieren. Langfristige Ausfälle bedeuten oft hohe Ausgaben für Vertretungen, Überstunden von Kollegen oder sogar das Risiko des Arbeitsplatzverlustes für den Betroffenen.
  • Arbeitsplatzsicherung und Inklusion:
    Das BEM dient auch der Sicherung des Arbeitsplatzes für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Es fördert die Inklusion am Arbeitsplatz, indem es individuelle Lösungen anbietet, die es den Betroffenen ermöglichen, trotz gesundheitlicher Herausforderungen weiterhin einen wertvollen Beitrag im Unternehmen bzw. in der Dienststelle zu leisten.
  • Positive Arbeitskultur:
    Ein effektiv umgesetztes BEM fördert ein positives und unterstützendes Arbeitsumfeld. Es signalisiert den Mitarbeitenden, dass ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit dem Arbeitgeber wichtig sind, was wiederum die Mitarbeiterbindung und die Arbeitszufriedenheit erhöhen kann.

Warum BEM  insbesondere im Kontext von psychischen Störungen?

Die Bedeutung des BEM im Kontext von psychischen Störungen lässt sich durch mehrere Faktoren erklären:


  • Zunehmende Relevanz psychischer Erkrankungen:
    In den letzten Jahren wurde eine steigende Anzahl von Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund psychischer Erkrankungen verzeichnet. Stress, Burnout, Depressionen und andere psychische Störungen sind zu einem signifikanten Problem am Arbeitsplatz geworden. Daher ist es besonders wichtig, diesen Erkrankungen mit gezielten Maßnahmen, wie dem BEM, zu begegnen.
  • Spezifische Herausforderungen:
    Psychische Störungen bringen spezifische Herausforderungen mit sich, sowohl für die Betroffenen als auch für die Arbeitgeber. Sie sind oft weniger sichtbar als körperliche Erkrankungen und können in ihrer Schwere und Dauer variieren. Ein angepasstes BEM kann helfen, individuell auf die Bedürfnisse der betroffenen Personen einzugehen und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit unterstützt.
  • Prävention und Früherkennung:
    Das BEM bietet eine Plattform für die Prävention und Früherkennung psychischer Erkrankungen. Durch regelmäßige Gespräche und Analysen können erste Anzeichen von Überlastung oder Stress frühzeitig erkannt und angegangen werden. Dies ist besonders bei psychischen Erkrankungen wichtig, da eine frühzeitige Behandlung oft entscheidend für den Heilungsprozess ist.
  • Entstigmatisierung:
    Die Einbeziehung psychischer Erkrankungen in das BEM trägt zur Entstigmatisierung dieser Erkrankungen bei. Indem der Arbeitgeber offen mit diesen Themen umgeht, wird ein Signal gesetzt, dass psychische Gesundheit genauso wichtig ist wie körperliche. Dies kann Mitarbeitenden helfen, sich eher Hilfe zu suchen und offen über ihre Probleme zu sprechen.
  • Langfristige Integration:
    Psychische Störungen können die Arbeitsfähigkeit in unterschiedlichem Maße und über verschiedene Zeiträume hinweg beeinflussen. Das BEM ermöglicht eine flexible Gestaltung der Arbeitsbedingungen und Unterstützungsangebote, die auf die langfristige Integration der Betroffenen abzielen. Dadurch kann eine dauerhafte Rückkehr in den Arbeitsprozess erleichtert und der Arbeitsplatz gesichert werden.

Was sollten Unternehmer, Dienststellen und deren BEM-Verantwortliche beachten?

Für Unternehmer, Dienststellen und BEM-Verantwortliche gibt es mehrere wichtige Punkte, die bei der Durchführung eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) beachtet werden sollten:


  • Frühzeitige Kommunikation und Transparenz:
    Es ist entscheidend, dass der Prozess und die Ziele des BEM transparent und verständlich für alle Beteiligten kommuniziert werden. Mitarbeitende sollten über ihre Rechte und Möglichkeiten im Rahmen des BEM aufgeklärt werden, um Ängste und Unsicherheiten abzubauen.
  • Freiwilligkeit und Datenschutz:
    Die Teilnahme am BEM ist für die Mitarbeitenden freiwillig. Ihre Entscheidung für oder gegen die Teilnahme sollte respektiert werden. Zudem ist der Datenschutz von größter Bedeutung; persönliche Informationen und Gesundheitsdaten der Mitarbeitenden müssen vertraulich behandelt werden.
  • Individuelle Lösungen:
    Jeder Fall ist einzigartig, besonders bei psychischen Erkrankungen. Lösungen und Maßnahmen sollten daher individuell angepasst und flexibel gestaltet werden, um den Bedürfnissen der betroffenen Personen gerecht zu werden.
  • Einbeziehung von Fachkräften:
    Es kann hilfreich sein, externe Fachkräfte wie Betriebsärzte, Psychologen oder spezialisierte Berater in den BEM-Prozess einzubeziehen. Diese können wertvolle Expertise und Unterstützung bieten, um effektive Maßnahmen zur Wiedereingliederung zu entwickeln.
  • Schulung der BEM-Verantwortlichen:
    Die Verantwortlichen für das BEM sollten speziell geschult werden, um ihre Aufgaben effektiv erfüllen zu können. Dazu gehört das Wissen um rechtliche Grundlagen, Kommunikationstechniken und die Sensibilisierung für psychische Erkrankungen.
  • Langfristige Perspektive:
    Das BEM ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Es sollte eine langfristige Perspektive verfolgt werden, die auf die dauerhafte Integration der Mitarbeitenden in den Arbeitsprozess ausgerichtet ist.
  • Förderung einer positiven Unternehmenskultur:
    Eine offene und inklusive Unternehmenskultur, die die Gesundheit und das Wohlbefinden aller Mitarbeitenden wertschätzt, ist eine grundlegende Voraussetzung für ein erfolgreiches BEM. Dies beinhaltet auch die Schaffung eines Arbeitsumfeldes, das psychische Gesundheit fördert und unterstützt.
  • Regelmäßige Evaluation und Anpassung:
    Der BEM-Prozess und die eingeführten Maßnahmen sollten regelmäßig evaluiert und bei Bedarf angepasst werden. Dies ermöglicht es, die Wirksamkeit des BEM zu verbessern und auf Veränderungen im Einzelfall oder in den Rahmenbedingungen zu reagieren.

Was sollten Mitarbeitende beachten

Für Mitarbeitende, denen ein BEM angeboten wird, gibt es ebenfalls wichtige Punkte zu beachten, um den Prozess für sich so effektiv wie möglich zu gestalten:


  • Information und Aufklärung:
    Informieren Sie sich über Ihre Rechte und Möglichkeiten im Rahmen des BEM. Verstehen Sie das BEM als Angebot zur Unterstützung und nicht als Überwachungs- oder Bewertungsinstrument.
  • Freiwilligkeit und Eigeninitiative:
    Bedenken Sie, dass Ihre Teilnahme am BEM freiwillig ist. Eine positive Grundhaltung und die Bereitschaft, aktiv mitzuwirken, können den Erfolg des Prozesses jedoch maßgeblich unterstützen.
  • Offene Kommunikation:
    Seien Sie offen in der Kommunikation mit den BEM-Verantwortlichen und anderen Beteiligten. Eine ehrliche Darstellung Ihrer Situation und Bedürfnisse ist wichtig, um passende Lösungen zu finden. Dennoch sollten Sie immer bedenken, welche Informationen Sie teilen möchten und dass Ihre Privatsphäre geschützt ist.
  • Datenschutz:
    Ihre Daten sind geschützt, und Informationen über Ihre Gesundheit dürfen nur mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung verwendet werden. Sie haben das Recht, genau darüber informiert zu werden, wer Zugang zu Ihren Daten hat.
  • Einbeziehung von Unterstützungsangeboten:
    Zögern Sie nicht, zusätzliche Unterstützungsangebote anzunehmen, sei es durch interne Angebote des Arbeitgebers oder durch externe Beratungsstellen. Dies kann professionelle medizinische Beratung, psychologische Unterstützung oder auch rechtliche Beratung umfassen.
  • Realistische Zielsetzung:
    Setzen Sie realistische Ziele für Ihre Wiedereingliederung. Sowohl Über- als auch Unterforderung können den Prozess behindern. Eine schrittweise Wiedereingliederung kann oft sinnvoller sein als ein zu schneller Vollzeiteinstieg.
  • Feedback geben:
    Feedback zum BEM-Prozess ist für alle Beteiligten wertvoll. Teilen Sie Ihre Erfahrungen, was gut funktioniert und was möglicherweise verbessert werden könnte. Dies kann auch nach Abschluss des BEM-Prozesses hilfreich sein.
  • Selbstfürsorge und Geduld:
    Der Prozess der Wiedereingliederung kann herausfordernd sein und Zeit benötigen. Achten Sie auf Ihre Gesundheit und setzen Sie sich nicht unter Druck. Geduld und Selbstfürsorge sind wichtige Begleiter auf diesem Weg.

Was können wir für Sie tun?

Die Akademie für mentale Gesundheit kann Unternehmen und Dienststellen in vielfältiger Weise beim BEM unterstützen:


  • Schulungen und Workshops:
    Wir stellen Ihnen spezialisierte Schulungen und Workshops zur Verfügung. Diese richten sich insbesondere an BEM-Verantwortliche, Führungskräfte und Mitarbeitende in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Dienststelle. Die Themenbereiche umfassen unter anderem die Grundlagen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM), den Umgang mit psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz, Kommunikationstechniken, Datenschutz im BEM-Prozess und effektive Maßnahmen zur Förderung der mentalen Gesundheit.
  • Beratung zu BEM-Prozessen:
    Um die Einrichtung, Durchführung und Optimierung Ihrer BEM-Prozesse zu unterstützen, bieten wir individuelle Beratungsleistungen an. Wir helfen Ihnen bei der Analyse bestehender Strukturen, entwickeln mit Ihnen Handlungsleitfäden und begleiten Sie bei der Implementierung von effektiven BEM-Strategien in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Dienststelle.
  • Unterstützung bei der Prävention:
    Die Förderung der mentalen Gesundheit und die Prävention psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz sind wesentliche Bestandteile eines erfolgreichen BEM. Wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen Programme und Maßnahmen, die speziell auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens oder Ihrer Dienststelle zugeschnitten sind. Dazu gehören Angebote zur Stressbewältigung und zur Schaffung einer gesunden Arbeitskultur, welche die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeitenden nachhaltig fördert.
  • Weitere Angebote wie Impulsvorträge für alle Mitarbeiter:innen, Seminare und Workshops zu konkreten Themen, Führungskräfte-Training, Akuthilfe sowie Ausbildungen im Bereich "Psychischer Ersthelfer" oder auch unser "Mental Health Supporter" runden unser Angebot ab.


Mit diesen Angeboten möchten wir Sie darin unterstützen, ein effektives Betriebliches Eingliederungsmanagement zu etablieren und die mentale Gesundheit in Ihrem Arbeitsumfeld zu stärken.

Thorsten Blaufelder zum Thema
"Betriebliches Eingliederungsmanagement"

Thorsten Blaufelder und Bettina Tittel sprechen in diesem Video darüber, warum das klassische BEM im Kontext von psychischen Störungen oft nicht funktioniert und was stattdessen dabei beachtet werden sollte.

Weitere spannende Links und weiterführendes Inforamtionsmaterial

Weitere spannende Informationen zum Thema für Beschäftigte und Arbeitgeber finden Sie unter dieser offiziellen Website des Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Ausgleichsfonds geförderte Projekt BEMpsy:


https://www.bempsy.de/

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